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Wie Patient und Arzt bei Tierbissverletzungen richtig handeln



Jährlich kommt es in Deutschland zu 30.000 bis 50.000 Verletzungen durch Bisse von Tieren. Besonders Kinder und Jugendliche werden häufig Opfer von Bissen. Hier erfahren Sie, welche Maßnahmen Sie bei der Erstversorgung ergreifen können und in welchen Fällen ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht.

Dieser Beitrag von Christoph Renninger, coliquio-Redaktion, basiert auf einem Artikel im Deutschen Ärzteblatt 2015; 112: 433–43.

Die meisten Bissverletzungen werden von Hunden (60-80%) und Katzen (20-30%) verursacht.

Zwei Drittel der Opfer von Hundebissen sind Kinder und Jugendliche, wobei zu 90% der eigene oder ein bekannter Hund verantwortlich ist.

Bei Kindern treten häufig Verletzungen im Kopf-Hals-Bereich auf, während Erwachsene vor allem an den Extremitäten gebissen werden.

Die ärztliche Behandlung reicht dabei von der Erstversorgung bis zum interdisziplinären Management schwerwiegender Verletzungen.

Schweregrade von Bissverletzungen:

Die Klassifizierung erfolgt anhand der Beteiligung tiefer liegender Gewebestrukturen.

Grad I
  • oberflächliche Hautläsion
  • Risswunde
  • Kratzwunde
  • Bisskanal
  • Quetschwunde

Grad II
  • Hautwunde, bis zur Faszie/Muskulatur/ Knorpel reichend

Grad III
  • Wunde mit Gewebsnekrose oder Substanzdefekt
  • Knochenbeteiligung
  • Gefäß- und Nervenverletzung

Allgemeine Maßnahmen zur Erstversorgung Trotz des häufigen Auftretens von Bissverletzungen gibt es keine evidenz-basierte Leitlinie. Während der Anamnese sollte nach der Art des Tieres und dem Zeitpunkt, Ort und Ursache der Bissverletzung gefragt werden. Sofern möglich, sollten beim Patienten Informationen zu Grunderkrankungen, Allergien und Impfstatus eingeholt werden. Bei der Lokalbehandlung stehen Ihnen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung:
  • Säuberung (z.B. mit 1% Organojodlösung) der Wunde
  • Spülung mit physiologischer Kochsalzlösung, verwendet werden Infusionskatheter oder Knopfkanülen, dabei sollte kein zu hoher Druck angewandt werden
  • Débridement, Entfernung von avitalem Gewebe,
  • Bei Wunden im Gesicht wird ein primärer Wundverschluss empfohlen
  • Bei Punktionswunden mit tiefer Inokulation (typisch für Katzenbisse) und im Bereich der Hände sollte nicht primär verschlossen werden
  • Für die Extremitäten gibt es keine einheitliche Empfehlung, Wundinfektionen treten bei genähten Bisswunden nicht häufiger auf als bei einer Sekundärheilung

Eine generelle Antibiotikaprophylaxe ist nicht notwendig. Auf ein erhöhtes Infektionsrisiko achten Bei 10-20% aller Bissverletzungen kommt es zu Infektionen, besonders bei Katzenbissen besteht ein erhöhtes Risiko. Bei der Einschätzung des Infektionsrisikos müssen mehrere Faktoren beachtet werden. Bisswunden mit erhöhtem Infektionsrisiko:
  • Tiefe Wunde oder Stichwunden
  • Verschmutzte Wunden
  • Wunden mit starker Gewebszerstörung, Ödem, schlechter Durchblutung
  • Verletzungen an Händen, Füßen, Gesicht, Genitalien
  • Verdacht auf Gelenkbeteiligung

Patientengruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko:
  • Neugeborene und Säuglinge
  • Verschmutzte Wunden
  • Patienten mit gestörter Immunabwehr (AIDS, Hepatopathien, Asplenie)
  • Vorbestehende venöse oder lymphatische Stase im Bissgebiet
  • Implantierte Herzklappe

Trifft einer dieser Faktoren zu, ist eine Antibiotikaprophylaxe sinnvoll. Im Falle einer Infektion Häufig treten aerob-anaerobe Mischinfektionen auf, verursacht durch Keime aus der oralen Bakterienflora des beißenden Tieres.

Unter den häufigsten pathogenen Erregern finden sich Staphylokokken (u.a. MRSA) und Streptokokken (darunter Streptococcus pyogenes), außerdem Pasteurella multocida und Capnocytophaga canimorsus. Je nach Art des Erregers treten auf eine Infektion hinweisende Symptome zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf. Während bei P. multocida bereits nach 12-24 Stunden Symptome bemerkbar sind, können C. canimorsus-infektionen erst nach 5-8 Tagen zu Beschwerden führen. Meistens handelt es sich um Weichgewebe-Infektionen mit Entzündungszeichen wie einer lokalen Rötung, Schwellung, eitriger Sekretion und Schmerzen, außerdem können Fieber und allgemeines Unwohlsein auftreten. In seltenen Fällen kommt es zu einer Sepsis, vor allem, wenn geschwächte Patienten von einer C. canimorsus-Infektion betroffen sind. In Einzelfällen wird von Meningitis, Endokarditis und Organabszessen berichtet.

Bei einer manifesten Infektion erfolgt eine kalkulierte Behandlung mit Antibiotika. Mögliche Behandlungsoptionen sind z.B. Aminopenicillin mit einem Betalaktamase-Inhibitor oder Piperacillin-Tazobactam.

Bedenken Sie, bei Bissverletzungen außerdem den Impfstatus gegen Tetanus zu überprüfen und gegebenenfalls eine vollständige Immunisierung durchzuführen Meldepflicht bei Verdacht auf Tollwut.

Obwohl in Deutschland nur wenige Fälle von Tollwut bei Menschen auftreten, sind Hunde eine potenziell größere Infektionsquelle als Wildtiere. Insbesondere nach Bissverletzungen durch potenziell infizierte Tiere sollte eine aktive und passive Immunisierung durchgeführt werden.

Eine reale Infektionsgefahr geht lediglich von Tieren aus, die aus einem Tollwut-Endemiegebiet (z.B. Afrika, Asien, Balkan, Türkei) importiert wurden oder zu solchen Tieren Kontakt hatten. Bei unbekanntem Impfstatus des Tieres, ist eine veterinärmedizinische Beobachtung, sofern möglich, sinnvoll.

Es besteht eine namentliche Meldepflicht beim zuständigen Gesundheitsamt für die Verletzung eines Menschen durch ein tollwutkrankes, -verdächtiges oder -ansteckungsverdächtiges Tier (§6 Abs. 1 Nr. 4 Infektionsschutzgesetz).  (Quelle1) (Quelle2)

So können wir nur alle Patienten bitten, keine Tiere zu importieren aus falschverstandener Großmut.
Gleichzeitig macht dieser Artikel nachdenklich und zeigt uns ,dass wir vorsichtig mit Tierverletzungen umgehen sollten. Suchen Sie uns immer auf, wenn Sie von einem Tier gebissen wurden und halten Sie Ihren Impfpass bereit!

2 Kommentare zu Wie Patient und Arzt bei Tierbissverletzungen richtig handeln:

RSS-Kommentare
Frisierer10 on Donnerstag, 27. Oktober 2016 16:10
Danke für die Informationen zum Tierbiss! Irgendwie klingt der Titel aber so, als müssten Ärzte das auch noch nachträglich lernen. Ich denke mal, dass die das schon wissen oder? ;)
Auf Kommentar antworten


Admin on Samstag, 19. November 2016 07:24
Leider nicht alle. Es ist auch ein schwieriges Thema. Wichtig ist für alle Patienten ein bestehender Tetanusschutz. Dies ist ein banales Wissen. Man impft mittlerweile nicht mehr mit Tetanus alleine , sollte der Impfschutz nicht mehr bestehen sondern mit der Dreierkombination dTp. Bei großflächigen Bisswunden schon nach 5 Jahren!
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